Max Bahr: Aufstieg und Fall des ersten deutschen Baumarkts

Max Bahr: Aufstieg und Fall des ersten deutschen Baumarkts

Mehr als ein ganzes Jahrhundert lang gehörte Max Bahr zu den Spitzenreitern der deutschen Baumärkte – mehr noch, er wies allen anderen seiner Art den Weg. Unzählige Heimwerker, Handwerker und Hobbygärtner schworen auf das umfangreiche Max Bahr Sortiment – und trotzdem meldete das Unternehmen im Jahr 2014 nach 135 erfolgreichen Jahren Insolvenz an – die lange und ereignisreiche Geschichte des Baumarktes kam somit, trotz engagierter Rettungsversuche, schließlich zum Ende.

Max Bahr Baumarkt: Der Vorreiter unter den Baumärkten

Max Bahr war der erste und jahrzehntelang auch der Vorreiter unter den Baumärkten. Er war der erste großflächige Laden mit umfangreichem Sortiment von allem für den Heimwerker, denn der damalige Geschäftsführer Peter Möhrle erkannte in den 1950er Jahren den wachsenden Do-It-Yourself-Trend in der Bevölkerung und weitete das Sortiment des Baumarktes in diese Richtung hin aus. Vorher war Max Bahr, gegründet von Johann Jakob Heinrich Bahr und weitergeführt von seinem Sohn Max, vor allem ein Fachgeschäft für Holz gewesen. 1994 dann legte Max Bahr einen weiteren Meilenstein für die gesamte Branche und kombinierte zum ersten Mal ein Bau- mit einem Gartenmarkt. Heute ist dieses Konzept Gang und Gäbe bei allen großen Baumärkten, ob Bauhaus, Obi oder Globus. Und sogar in Sachen Nachhaltigkeit spielte Max Bahr eine Vorreiterrolle: Zu Beginn des 21. Jahrhunderts eröffnete in Hamburg die erste nachhaltige Filiale, die ihren Strom von einer Photovoltaikanlage auf dem Dach zog, mit einer Holzpellet-Heizung Wärme erzeugte und auch Regenwasser, natürliche Beleuchtung und Dachbegrünung nutze.

Beliebt und erfolgreich: Max Bahr war der Vorreiter unter den Baumärkten.

Vom Holz-Einzelhandel bis zum Teil der Praktiker-Gruppe: Der Werdegang des Max Bahr Baumarktes

Der Namensgeber des Unternehmens, Max Bahr, hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Stellmacherei seines Vaters übernommen und einige Zeit weitergeführt, bevor er schließlich beschloss, in den Holz-Einzelhandel einzusteigen. Dort agierte Max Bahr viele Jahrzehnte erfolgreich, richtig rund ging es für das Unternehmen aber erst, als der neue Geschäftsführer Peter Möhrle, der seine Position im Jahr 1956 antrat, das Sortiment auf den Heimwerker zuschnitt. Erst jetzt eröffneten die ersten Max Bahr Filialen in verschiedenen Städten, bis dahin hatte alles am Hauptsitz Hamburg stattgefunden. Fast ein halbes Jahrhundert lang blieb Möhrle an der Spitze von Max Bahr und lenkte das Unternehmen von einer Vorreiterposition in die nächste, bis er sich schließlich 2004 zur Ruhe setzte – allerdings nicht, ohne seine Firma vorher gewinnbringend an die die erfolgreiche Baumarktkette Praktiker zu verkaufen. Im Jahr 2007 war der Verkauf vonstattengegangen und im Folgenden sollten etwa die Hälfte aller bestehenden Praktiker-Märkte in Max Bahr Märkte umgewandelt werden. Mitten in dieser großen Umbruchphase und nur wenige Jahre nach der Übernahme meldete Praktiker Insolvenz an. Das Unternehmen war überschuldet und zahlungsunfähig. Noch im selben Monat, es war Juli 2013, ging auch Max Bahr denselben Weg wie sein Mutterunternehmen.

Die Versuche, den Max Bahr Baumarkt zu retten

Die Insolvenzen der beiden großen Baumarktketten kamen sehr überraschend, vor allem Max Bahr hatte, bevor Praktiker in sich zusammenfiel, als ein erfolgreiches und gesundes Unternehmen gegolten. Drei Insolvenzverwalter begannen damit, einen Ausweg zu suchen und Mutter- und Tochterfirma zu retten oder zumindest Max Bahr vor dem Untergang zu bewahren. Zunächst hatte auch alles danach ausgesehen, als könnte Max Bahr gerettet werden und schon bald zu einem anderen Baumarkt gehören. Sowohl Globus, als auch Hellweg hatten Interesse daran gezeigt, die Kette aufzukaufen, doch alle geplanten Deals platzten – teilweise sogar in letzter Minute. Hellweg konnte den Markt nicht kaufen, denn die Lage war zu verzwickt. Schließlich hatte Praktiker nur das operative Geschäft gehört. Die Immobilien, in welchen die Max Bahr Läden sich befanden, hatte Peter Möhrle an einen britischen Fond namens Moor Park verkauft. Dieser hatte, um die Immobilien zu bezahlen, einen Kredit bei der Royal Bank Of Scotland aufgenommen, war aber ein Jahr vor Max Bahr insolvent gegangen – mit Millionen von Schulden bei der Bank. So wurde die Royal Bank Of Scotland praktisch zum Vermieter der Max Bahr Immobilien und forderte von dem potenziellen Käufer Hellweg eine Bürgschaft, um die Mieteinnahmen langfristig zu sichern. Das wiederum war dem Inhaber von Hellweg zu riskant – er schied als Käufer und Retter von Max Bahr aus. Und auch Globus vermochte es nicht, den einstigen Vorreiter der Baumärkte zu retten, der Deal platze im letzten Moment, ebenfalls aus Mangel an Sicherheit. Stattdessen übernahm Globus acht Max Bahr Gebäude in Sachsen und Sachsen-Anhalt und eröffnete dort eigene Filialen.  In einen derartigen Riesen zu investieren, ist eben für jedes Unternehmen ein gewaltiger Schritt, der wohl überlegt sein muss. Im Fall von Max Bahr führten die Überlegungen nur leider zu dem Entschluss, es doch nicht zu wagen.  So fand letztendlich bis zum 25. Februar 2014 der Abverkauf der Produkte statt, dann schloss die Baumarktkette Max Bahr seine Pforten.

Wie die alten Max Bahr Filialen mit neuem Leben gefüllt wurden

In Schwerin wurde Max Bahr von Bauhaus abgelöst

Die 67 alten Max Bahr Filialen, die schon vor dem Verkauf im Jahr 2007 Max Bahr gehört hatten und nicht erst aus einem Praktiker hervorgegangen sind, sind alle innerhalb etwa eines Jahres an verschiedene Bau- und Möbelhäuser verkauft worden, neben Globus unter anderem an Obi, Poco, Hagebaumarkt, Hornbach und toom. Bauhaus übernahm mit 24 Filialen und den größten Teil der ehemaligen Max Bahr Geschäfte und behielt auch die 1300 Mitarbeiter, die in diesen Filialen gearbeitet hatten. Insgesamt wurden etwa 2800 von den 3600 ehemaligen Max Bahr Mitarbeiten von den neu eingezogenen Märkten übernommen. In vielen Fällen waren mit der Übernahme auch größere Umbauten verbunden, die für die jeweiligen Städte eine recht große Sache waren, schließlich hatten sie alle plötzlich einen gigantischen Leerstand, der mit neuem Leben gefüllt werden musste. In Regensburg etwa verwandelte sich Max Bahr sowohl in einen Toom-Baumarkt, als auch in ein McFit-Fitnessstudio und erforderte Umbauarbeiten im Wert von 13 Millionen Euro. Im Hamburger Stadtteil Harburg wird bald, voraussichtlich Anfang 2018, das Möbelhaus mömaX in das ehemalige Max Bahr Gebäude einziehen. Einige andere, neuere Max Bahr Filialen stehen bis heute leer und die Zukunft wird zeigen, wer in die gigantischen Gebäude einziehen wird.
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